Smartphone-Verbote an Schulen sorgen schweizweit für Diskussionen. Eine Umfrage unter Oberstufenschülerinnen und -schülern aus den Regionen Wil und Toggenburg zeigt: Die Jugendlichen erkennen Vor- und Nachteile.
Erschienen in der Wiler Zeitung am 29. Januar 2026
Die Politik beschäftigt sich regelmässig mit der Frage, wie Smartphones an Schulen gehandhabt werden sollen. Im vergangenen Jahr führten die Kantone Nidwalden und Aargau ein generelles Verbot privater elektronischer Geräte an Volksschulen ein. Die Nutzung ist während des Unterrichts und in den Pausen untersagt. In St.Gallen gibt es eine solche kantonale Regelung nicht – die Schulen entscheiden selbst, wie sie damit umgehen wollen.
In den Wiler und Toggenburger Schulen ist die Handhabung unterschiedlich. Seit Sommer 2025 gilt beispielsweise an der Oberstufe Degenau in Jonschwil ein striktes Verbot. Gegenüber dieser Zeitung sprach Schulleiter Thomas Plattner im Dezember von positiven Veränderungen. Doch was denken die, die es tatsächlich betrifft?
Diese Zeitung erstellte eine anonyme Onlineumfrage und bat die Schulleitungen der Oberstufen in der Region, diese an die Schülerinnen und Schüler (SuS) weiterzuleiten. Die meisten reagierten vorsichtig: Nur drei liessen ihrer Schülerschaft den Link zur Umfrage zukommen. Insgesamt haben schliesslich 230 SuS der Oberstufen St.Peterzell, Nesslau und Jonschwil teilgenommen. Sie sind zwischen 13 und 17 Jahre alt. Nur fünf von ihnen besitzen kein Smartphone.
45 Prozent lassen das Handy zu Hause
Etwas mehr als die Hälfte der befragten SuS nimmt das Smartphone mit in die Schule. Der Anteil an Personen, die das Gerät mitnehmen, steigt mit dem Alter und somit der Stufe. Die Regelung an der jeweiligen Schule scheint keinen klaren Einfluss darauf zu haben. In Jonschwil muss das Handy zu Unterrichtsbeginn abgegeben werden. Auch Nesslauer SuS müssen es abgeben, können es alternativ jedoch in ihrem Spind platzieren. In St.Peterzell ist die Nutzung auf dem Schulareal zwar verboten und Smartphones dürfen nicht in der Hosentasche getragen werden, die SuS können sie jedoch bei sich behalten. Insgesamt lassen 77 Prozent der Jonschwiler SuS ihr Handy zu Hause. In den beiden anderen Oberstufen sind es je rund 30 Prozent.
Die SuS, die angeben, das Smartphone zu Hause zu lassen, begründen dies hauptsächlich damit, dass sie es nicht brauchen. Weitere geben an, der Grund sei ein Verbot seitens der Eltern. Oder gegenteilig: eine Belohnung der Eltern, wenn sie ihr Smartphone zurücklassen.
Mehr Argumente gegen ein Verbot als dafür
Nur 14 Prozent der Teilnehmenden sprechen sich klar für ein Smartphone-Verbot an Schulen aus. Knapp die Hälfte (47 %) stimmt dagegen, 39 Prozent sind geteilter Meinung. Auffällig ist, dass SuS, die ein Smartphone-Verbot befürworten, in der späteren Frage zu Bedenken häufiger solche äussern (36 %) als jene, die dem Verbot unentschieden (29 %) oder ablehnend (13 %) gegenüberstehen.
In der Onlineumfrage wurden die SuS sodann auch nach Für- und Gegenargumenten für ein Verbot gefragt. Die in der Tabelle aufgeführten Argumente wurden je mindestens zweimal genannt – insgesamt haben die Teilnehmenden mehr Argumente gegen ein Verbot als dafür aufgelistet.
Den grössten Nutzen ihrer Smartphones sehen die SuS nicht während des Unterrichts, sondern auf dem Schulweg. Die Notfallkommunikation ist für 15 Prozent ein Grund dafür, kein Verbot einzuführen. Mit neun und acht Prozent folgen der Unterhaltungs- und der Kommunikationsaspekt. Manche begründen zudem damit, dass das Smartphone ihr persönlicher Besitz ist und es somit in ihrer eigenen Verantwortung liege, den Umgang damit zu regeln.
Auf der Pro-Seite erwarten 17 Prozent der SuS durch ein allfälliges Verbot eine verbesserte Konzentration. Neun Prozent der Befragten sehen schlicht keinen Nutzen darin, das Smartphone mitzunehmen, wenn sie es vor Unterrichtsbeginn ohnehin abgeben müssen. Acht Prozent denken, dass mehr reale Interaktionen ein Vorteil eines Verbots sein könnten.
KI bereitet Schülerinnen und Schülern Sorgen
Da Schulleitungen ungewolltes Filmen und Fotografieren vermehrt als Problem wahrnehmen, wurden die SuS gefragt, ob dies ein Thema ist, das ihnen Sorgen bereitet. 20 Prozent antworteten mit «Ja». In einer Anschlussfrage wurden sie nach weiteren Bedenken bezüglich Smartphones gefragt. 23 Prozent aller Teilnehmenden nannten zusätzliche Ängste.
15 Personen erwähnten Gefahren, die ihnen Drittpersonen zufügen könnten. Etwa, dass ihr Gerät gehackt und persönliche Daten gestohlen werden könnten. An zweiter Stelle steht die Künstliche Intelligenz (KI): Manche beunruhigt, dass die KI viele Informationen über sie besitze. Zwei weitere Teilnehmende erwähnen die Gefahr von durch KI generierten Bildern und Videos, die kaum als solche zu erkennen sind. Eine 14-jährige Schülerin schreibt, sie finde es «ziemlich beängstigend, was die KI heutzutage schon alles kann» und fügt an: «Viele Personen benutzen fast nur noch KI und man hört irgendwann auf, selbst zu denken.»
Ebenso oft wie die KI nannten die SuS das Suchtpotenzial. Das Smartphone «raubt Zeit des realen Lebens», sagt eine 15-Jährige. Einem 13-jährigen Schüler fehlt die «echte Kommunikation mit Freunden», etwa in der Pause.
Verbot allein sei keine Lösung
Die Umfrage der SuS ergibt ein vielschichtiges Bild, die meisten sehen sowohl Vor- als auch Nachteile eines Smartphone-Verbots. Ähnlich sieht es auch bei den Schulleitungen aus: Viele betrachten ein striktes Verbot nicht als Lösung des Handy-Problems. Ivo Stäger, Schulleiter der Oberstufe Nesslau, sagt: «Der übermässigen Smartphone-Nutzung kann nur multifaktoriell begegnet werden.» Darunter versteht er neben «vernünftigen Leitplanken» auch «Vorbildverhalten, Bildung, technische Unterstützung und attraktive Alternativen».
Der Umgang mit Handys müsse gelernt werden, schreibt Aligi Badilatti, Schulleiter der Oberstufe St.Peterzell. Das Smartphone sei in vielerlei Hinsicht in den gesellschaftlichen Alltag integriert. Es biete «praktische und nützliche Funktionen», unter anderem das Bezahlen mit Twint oder das Abrufen von Fahrplaninformationen.
Der korrekte Umgang mit elektronischen Geräten könne jedoch auch thematisiert werden, ohne die Handys im Unterricht dabei zu haben, so Freddy Noser, Schulleiter der Oberstufe Sproochbrugg in Zuckenriet. Für ihn gebe es daher keine Argumente, die gegen ein Verbot sprechen. An der Sproochbrugg sei bereits seit über zehn Jahren eines in Kraft.
Und nicht bloss die Erziehungsberechtigten und die Schule tragen Verantwortung: «Die Politik und die Gesellschaft haben hier eine Verantwortung, der sie nicht nachkommen», schreibt Noser. Man überlasse die Kinder einem völlig unkontrollierten Angebot, das sie oft überfordere und in dem sie sich nur schwer zurechtfänden.




